Nach einer dank der knarrenden Betten und Böden ziemlich kurzen Nacht, krabbelten wir gegen 6 Uhr aus der Kiste. Auch beim Frühstück gings etwas drunter und drüber bei der Menge Leute.Wie bereits erwähnt, kamen wir dann in den einmaligen Genuss eines Luxusfrühstückes, das mehr kostete als das Abendessen am Vortag.Doch um sich darüber aufzuregen war keine Zeit, denn aufziehende Schleierwolken kündigten bereits den angesagten Wetterumschwung an und der Hüttenwirt gab uns noch 4 bis 5 Stunden.Keine wirklich positiven Aussichten in Anbetracht dessen, dass der höchste Punkt der gesamten Tour, der Übergang nach Südtirol bei der Similaunhütte (3019m) noch zu meistern war. Trotzdem stapften wir los. Zunächst führt der Weg über karge Bergweiden, auf denen Hunderte von Schafe alljährlich den Bergsommer verbringen. Sie werden von Südtirol über den Pass und die Gletscher auf diese Weiden getrieben. Damit die Besitzer ihre Tiere in der Herde wiederfinden, werden die Schafe auf dem Rücken mit bunten Punkten gekennzeichnet. Mitten in der ziemlich öden Landschaft sorgen diese bunten Farbtupfer für etwas Abwechslung.Allmählich wurde der Weg steiler und die ersten Ausläufer des Marzellferners kamen in Sicht. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir den Abzweig in Richtung Ötzi-Fundstelle.Allerdings weißt eine handschriftliche Notiz auf dem Wegzeiger bereits darauf hin, dass der Weg sehr schlecht gekennzeichnet ist.Man sollte also wirklich überlegen, ob man nicht lieber weitergeht zu Similaunhütte und von dort den begangeneren Weg zur Fundstelle nimmt.Für uns stellte sich diese Frage in Anbetracht des drohenden Wetterumschwungs erst gar nicht. Vorbei an großen Steinen führt der Weg in weitem Bogen am Berg entlang, so dass man erst kurz vor der Similaunhütte ein relativ kurzes Stück über den Ferner gehen muß. Wer wirklich einmal von der Gletscherzunge bis fast zur Similaunhütte übers Eis möchte, kann schon wenige hundert Meter nach der Martin-Busch-Hütte einen Alternativweg einschlagen, der im Gegensatz zum Hauptweg anfänglich in der Talsohle verläuft.Die vierbeinigen Sommergäste bevorzugen eindeutig diese Route.Auf dem Eis gilt dann unter den Wolltieren eiserne Funkdisziplin:Das Leitschaf macht "mäh" und läuft erst weiter wenn das letzte Schaf geantwortet hat. Diese Beobachtung fand ich ziemlich beeidruckend.Also von wegen "blödes Schaf". Bei Paps und mir klappte diese Art von Kommunikation leider auch nach mehreren Tagen unterwegs nicht wirklich, so dass ich nach jedem Foto einen größeren Gang einlegen mußte, um ihn wieder einzuholen. NAch weiteren 40 Minuten standen wir vor der Similaunhütte, dem mit 3019 m höchsten Punkt der Tour. Sie ist ziemlich frisch renoviert und hätten wir nicht den drohenden Wetterumschwung im Nacken gehabt,wären wir noch eine Nacht hier in luftiger Höhe geblieben. Besonders beeindruckend ist der Blick hinauf zum schneebedeckten Similaun, wo sich fast immer einige Bergsteigergruppen tummeln, aber auch der Tiefblick von der Terrasse hinunter auf den strahlend blauen Stausee Obervernagt hat etwas für sich. In Anbetracht der Wetterlage machten wir uns allerdings bereits nach etwa 45 Minuten wieder auf den Weg. Es geht zunächst ziemlich steil über Fels abwärts, so daß wir mal wieder froh waren,unsere Wanderstöcke dabei zu haben. Nach etwa 50 Minuten geht wird der Weg flacher und führt über Almwiesen. An dieser Stelle kam uns eine ganze Schulklasse entgegen und wirklich jeder der Jugendliche grüßte trotz Schweißströmen auf der Stirn mit einem freundlichen "bon giorno".Müßte man , glaub ich in Deutschland ganz schön weit laufen, um eine Gruppe so freundlicher Teenager zu finden, die freiwillig wandern gehn. Ist halt einfach eine ganz andere Mentalität.
Aber zum lange darüber Nachdenken war keine Zeit, denn der Wetterumschwung machte sich bereits durch aufziehenden Nebel und erste Regentropfen bemerkbar. Sogar die Ziegen, die am Wege grasten, hatten die Lage schon erkannt und machten sich mit wilden Sprüngen auf in Richtung der erste Häuser von Vernagt. Wir wären gern auch so geländegängig gewesen,denn der Weg zog sich in die Länge und außerdem machte der lange Abstieg in den Knien bemerkbar.Da konnte uns nicht mal mehr eine sehr schöne Jausenstation am Weg aufhalten.Nichts wie hinunter zur Kirche von Obervernagt und raus aus den Schuhen.Mit Turnschuhen an den Füßen und einem Vesperbrot in der Hand ließ es sich auf der Bank hinter dem Kapellchen dann schon eher aushalten und gegenüber den 0815-Luftschnappern etwas prahlen.Unerwartet pünktlich kam allerdings der Bahnbus , so daß wir binnen weniger Minuten entscheiden mußten, wie es weitergehen sollte.Aus finanziellen Gründen entschieden wir uns, einen weiteren Tag im Schnalstal zu bleiben und dann erst nach Meran zu fahren. Darum war für uns die Fahrt im gut gefüllten Bus bereits nach wenigen Minuten in Unser Frau zuende.Nun standen wir jedoch vor dem Problem eine Unterkunft zu finden, was sich als eine größere Schwierigkeit entpuppte als zunächst erwartet.Im einsetzenden Regen liefen wir einmal durch den kompletten Ort ohne irgendwo etwas Ansprechendes zu sehen.Wenigstens konnten wir am Geldautomat in der Nähe von der Schule unsere Portemonaies wieder etwas füttern, doch davon bekommt man auch kein Dach über den Kopf. Selbst das Befragen von Einheimischen, die gerade des Weges kamen, hatte nur mäßigen Erfolg, da alle uns ins 3-Sterne-Hotel schickten. Ein älterer Schnalser gab und dann in einem Nebensatz den Tipp, es mal an der Gaststätte am Sportplatz zuversuchen.Nach dem wir den nächsten Regenguss in einem Carport überdauert hatten,machten wir uns auf dem gewiesenen Weg.Der Sportplatz mit dem Gasthof Texel liegt ungefähr 1 km außerhalb von Unser Frau und tatsächlich konnten wir noch ein Doppelzimmer ergattern. Gemütlich ist zwar etwas anderes, aber die Zimmer sind einfach und sauber und die Verpflegung wirklich göttlich.Italienisches 4-Gänge-Essen;-) !!!! Nach einer erfrischenden Dusche und mit frischen Klamotten konnte uns sogar das Geschrei vom Zeltlager nebenan nicht mehr aus der Ruhe bringen und wir ließen den Tag allmählich ausklingen.
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15. Februar 2008
30. Januar 2008
5. Tag: 6.August 2007: Braunschweiger Hütte - Martin-Busch-Hütte
Für diese vorletzte und ziemlich lange Etappe unserer Wanderung über die Alpen hatten wir noch einmal wirkliches Kaiserwetter. Bereits kurz vor halb acht stapften wir mit vielen Bergkamerden von der Hütte weg in Richtung Rettenbachferner.Die Alternative zum Weg übers Pitztaler Jöchl war zwar nicht wirklich der Brüller, aber immerhin stellten wir schon etwas mehr als eine Stunde später unseren persönlichen Höhenrekord auf, als wir auf dem Rettenbachjoch bei der Schwarzen Schneidbahn in 2990m standen.Allesamt waren wir uns einig, daß das Skigebiet Sölden im Sommer kein wirklich schöner Anblick ist und machten uns deshalb nach einigem hin und her, da nirgends eine Wegmarkierung zu finden war, schlitternd und rutschend auf den Abstieg zum großen Parkplatz. Hier trennen sich die Wege der klassischen E5-Wanderer und der Wanderer, die die neuere Route Richtung Meran benutzen, auf der auch wir unterwegs waren. Während die E5- Wanderer in Richtung der Ortschaft Wald weitergingen, brachte uns nach kurzer Wartezeit der Shuttlebus unentgeltlich durch den Rosi-Mittermaier-Tunnel zum Tiefenbachferner. Auch hier überall Skilifte und riesige Parkplätze, so daß es nicht schwer fiel , sich vorzustellen, daß hier bis vor wenigen Jahren ganzjährig der Bär tobte.
Der Höhenweg nach Vent, dem wir von hier aus folgten, beginnt am Ende des Parkplatzes und führt einen schnell weg von den Skigebieten.In stetem leichten Auf und Ab geht es am Berg entlang.Ab und zu muß mal ein Bach überquert werden und auf etwa halber Strecke lädt ein kleiner Bergsee die ganz Mutigen zum Baden ein. Besonders gefallen haben mir die vielen Schafe, die in kleinen Gruppen auf den Wiesen am Weg unterwegs waren. Ein dringender Appell an alle Bleichgesichter: Bitte gut eincremen und einen Hut auf, denn auf der ganzen Strecke nach Vent gibts kaum ein schattiges Plätzchen und natürlich viel trinken. Wir führten auf dem Weg einen Gespräch auf Etappen mit einem "Sduagatter" Ehepaar, so dass die guten vier Stunden bis Vent recht unterhaltsam waren und ich , als Dankeschön fürs Wasser holen, ein paar Tüten Brausepulver geschenkt bekam. Der moderne Stadtmensch braucht so was.....wir nicht, somit existieren die Tütchen immer noch. Leider erlitten wir auf dieser Etappe auch unseren einzigen materiellen Verlust: Papa hat sein Rückenpolster, das bei seinem Rucksack abnehmbar und als Sitzkissen nutzbar war,eine gute Stunde vor Vent am Berg vergessen,als wir eine kurze Rast gemacht haben.Falls es noch jemand finden sollte, was ich aber nicht glaube, würden wir uns sehr darüber freuen, es zurück zuerhalten.
In Vent angekommen, hätte es eigentlich für den Tag gereicht.Es war bereits 16.30 Uhr und die Martin-Busch -Hütte noch über 2 Stunden entfernt. Auf Nachfrage im großen Hotel an der Hauptstraße, (Namen hab ich leider vergessen,aber Vent besteht sowieso nur aus ein paar Häusern,keine Einkaufmöglichkeit),stellte sich zudem noch heraus, dass ein Rucksacktransport zur Hütte an diesem Tag nicht mehr möglich war. Also auch noch unser Bündel schleppen. Um es kurz zu machen: Dieser letzte Etappenabschnitt prägte sich sehr ein und mehr als einmal habe ich mich auf dieser Schotterpiste, die ins Endlose zu führen scheint, gefragt, warum sich ein Mensch so was antut. Der absoluten Entkräftung fiel schließlich auch unsere sorgsam gehütete Tafel Schoki zum Opfer. Unser größtes Problem und Hauptursache für irgendwelche verrückten Ideen, wie einfach an Ort und stelle hinliegen und schlafen, war wiederum der Mangel an Wasser.Unbedingt also nochmal die Flaschen in Vent vollmachen, auch wenn das gegen Ende des Tages nochmal zusätzlicher Ballast ist.
Irgendwie haben wir die Martin-Busch-Hütte dann doch erreicht.Da sich allerdings mittlerweile wohl herumgesprochen hatte, dass eine Wetteränderung im Anmarsch war, wollten so viele Tourengänger wie möglich noch möglichst weit nach Süden, um mit nur noch einer weiteren Tagesetappe nach Südtirol zu kommen.Die Hütte war somit rappelvoll und die Zustände chaotisch.Rucksäcke türmten sich im Flur und auch in der Wirtsstube war quasi Gruppenkuscheln angesagt. Wie durch ein Wunder konnte ich noch eine Duschmarke erheischen und im Keller, neben kampferprobten Mountain-Bikes den Schweiß des Tages los werden. Von der Terrasse aus ist es zudem möglich ,Kontakt mit der übrigen Welt aufzunehmen. Insgesamt muß ich allerdings sagen, ist die Martin-Busch-Hütte nicht gerade eine Zierde für die Sektion Berlin, die sie unterhält. Trotz Zufahrtsstraße scheint es wohl nicht möglich zu sein, dafür zu sorgen, dass die Fußböden und Betten nicht mehr knarzen und auch sonst das Gebäude zu modernisieren.Mein Urteil: Sehr schwach, im Vergleich zu dem, was andere Hütten mit ungünstigerer Lage bewerkstelligen.Außerdem sind auch die Preisvorstellungen teilweise etwas heftig und nicht ganz nachvollziehbar.Wo bitte kostet das Frühstück mehr als ein komplettes Abendessen?Also, wenn man nach dieser ziemlich langen Etappe wirklich ruhig schlafen will und das Wetter es zuläßt, dann lieber in Vent ein Privatquartier suchen(ist teilweise sogar günstiger als die Hütte) und lieber noch nen Tag dranhängen und nochmal auf der Similaunhütte übernachten.
Der Höhenweg nach Vent, dem wir von hier aus folgten, beginnt am Ende des Parkplatzes und führt einen schnell weg von den Skigebieten.In stetem leichten Auf und Ab geht es am Berg entlang.Ab und zu muß mal ein Bach überquert werden und auf etwa halber Strecke lädt ein kleiner Bergsee die ganz Mutigen zum Baden ein. Besonders gefallen haben mir die vielen Schafe, die in kleinen Gruppen auf den Wiesen am Weg unterwegs waren. Ein dringender Appell an alle Bleichgesichter: Bitte gut eincremen und einen Hut auf, denn auf der ganzen Strecke nach Vent gibts kaum ein schattiges Plätzchen und natürlich viel trinken. Wir führten auf dem Weg einen Gespräch auf Etappen mit einem "Sduagatter" Ehepaar, so dass die guten vier Stunden bis Vent recht unterhaltsam waren und ich , als Dankeschön fürs Wasser holen, ein paar Tüten Brausepulver geschenkt bekam. Der moderne Stadtmensch braucht so was.....wir nicht, somit existieren die Tütchen immer noch. Leider erlitten wir auf dieser Etappe auch unseren einzigen materiellen Verlust: Papa hat sein Rückenpolster, das bei seinem Rucksack abnehmbar und als Sitzkissen nutzbar war,eine gute Stunde vor Vent am Berg vergessen,als wir eine kurze Rast gemacht haben.Falls es noch jemand finden sollte, was ich aber nicht glaube, würden wir uns sehr darüber freuen, es zurück zuerhalten.
In Vent angekommen, hätte es eigentlich für den Tag gereicht.Es war bereits 16.30 Uhr und die Martin-Busch -Hütte noch über 2 Stunden entfernt. Auf Nachfrage im großen Hotel an der Hauptstraße, (Namen hab ich leider vergessen,aber Vent besteht sowieso nur aus ein paar Häusern,keine Einkaufmöglichkeit),stellte sich zudem noch heraus, dass ein Rucksacktransport zur Hütte an diesem Tag nicht mehr möglich war. Also auch noch unser Bündel schleppen. Um es kurz zu machen: Dieser letzte Etappenabschnitt prägte sich sehr ein und mehr als einmal habe ich mich auf dieser Schotterpiste, die ins Endlose zu führen scheint, gefragt, warum sich ein Mensch so was antut. Der absoluten Entkräftung fiel schließlich auch unsere sorgsam gehütete Tafel Schoki zum Opfer. Unser größtes Problem und Hauptursache für irgendwelche verrückten Ideen, wie einfach an Ort und stelle hinliegen und schlafen, war wiederum der Mangel an Wasser.Unbedingt also nochmal die Flaschen in Vent vollmachen, auch wenn das gegen Ende des Tages nochmal zusätzlicher Ballast ist.
Irgendwie haben wir die Martin-Busch-Hütte dann doch erreicht.Da sich allerdings mittlerweile wohl herumgesprochen hatte, dass eine Wetteränderung im Anmarsch war, wollten so viele Tourengänger wie möglich noch möglichst weit nach Süden, um mit nur noch einer weiteren Tagesetappe nach Südtirol zu kommen.Die Hütte war somit rappelvoll und die Zustände chaotisch.Rucksäcke türmten sich im Flur und auch in der Wirtsstube war quasi Gruppenkuscheln angesagt. Wie durch ein Wunder konnte ich noch eine Duschmarke erheischen und im Keller, neben kampferprobten Mountain-Bikes den Schweiß des Tages los werden. Von der Terrasse aus ist es zudem möglich ,Kontakt mit der übrigen Welt aufzunehmen. Insgesamt muß ich allerdings sagen, ist die Martin-Busch-Hütte nicht gerade eine Zierde für die Sektion Berlin, die sie unterhält. Trotz Zufahrtsstraße scheint es wohl nicht möglich zu sein, dafür zu sorgen, dass die Fußböden und Betten nicht mehr knarzen und auch sonst das Gebäude zu modernisieren.Mein Urteil: Sehr schwach, im Vergleich zu dem, was andere Hütten mit ungünstigerer Lage bewerkstelligen.Außerdem sind auch die Preisvorstellungen teilweise etwas heftig und nicht ganz nachvollziehbar.Wo bitte kostet das Frühstück mehr als ein komplettes Abendessen?Also, wenn man nach dieser ziemlich langen Etappe wirklich ruhig schlafen will und das Wetter es zuläßt, dann lieber in Vent ein Privatquartier suchen(ist teilweise sogar günstiger als die Hütte) und lieber noch nen Tag dranhängen und nochmal auf der Similaunhütte übernachten.
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