Für diese vorletzte und ziemlich lange Etappe unserer Wanderung über die Alpen hatten wir noch einmal wirkliches Kaiserwetter. Bereits kurz vor halb acht stapften wir mit vielen Bergkamerden von der Hütte weg in Richtung Rettenbachferner.Die Alternative zum Weg übers Pitztaler Jöchl war zwar nicht wirklich der Brüller, aber immerhin stellten wir schon etwas mehr als eine Stunde später unseren persönlichen Höhenrekord auf, als wir auf dem Rettenbachjoch bei der Schwarzen Schneidbahn in 2990m standen.Allesamt waren wir uns einig, daß das Skigebiet Sölden im Sommer kein wirklich schöner Anblick ist und machten uns deshalb nach einigem hin und her, da nirgends eine Wegmarkierung zu finden war, schlitternd und rutschend auf den Abstieg zum großen Parkplatz. Hier trennen sich die Wege der klassischen E5-Wanderer und der Wanderer, die die neuere Route Richtung Meran benutzen, auf der auch wir unterwegs waren. Während die E5- Wanderer in Richtung der Ortschaft Wald weitergingen, brachte uns nach kurzer Wartezeit der Shuttlebus unentgeltlich durch den Rosi-Mittermaier-Tunnel zum Tiefenbachferner. Auch hier überall Skilifte und riesige Parkplätze, so daß es nicht schwer fiel , sich vorzustellen, daß hier bis vor wenigen Jahren ganzjährig der Bär tobte.
Der Höhenweg nach Vent, dem wir von hier aus folgten, beginnt am Ende des Parkplatzes und führt einen schnell weg von den Skigebieten.In stetem leichten Auf und Ab geht es am Berg entlang.Ab und zu muß mal ein Bach überquert werden und auf etwa halber Strecke lädt ein kleiner Bergsee die ganz Mutigen zum Baden ein. Besonders gefallen haben mir die vielen Schafe, die in kleinen Gruppen auf den Wiesen am Weg unterwegs waren. Ein dringender Appell an alle Bleichgesichter: Bitte gut eincremen und einen Hut auf, denn auf der ganzen Strecke nach Vent gibts kaum ein schattiges Plätzchen und natürlich viel trinken. Wir führten auf dem Weg einen Gespräch auf Etappen mit einem "Sduagatter" Ehepaar, so dass die guten vier Stunden bis Vent recht unterhaltsam waren und ich , als Dankeschön fürs Wasser holen, ein paar Tüten Brausepulver geschenkt bekam. Der moderne Stadtmensch braucht so was.....wir nicht, somit existieren die Tütchen immer noch. Leider erlitten wir auf dieser Etappe auch unseren einzigen materiellen Verlust: Papa hat sein Rückenpolster, das bei seinem Rucksack abnehmbar und als Sitzkissen nutzbar war,eine gute Stunde vor Vent am Berg vergessen,als wir eine kurze Rast gemacht haben.Falls es noch jemand finden sollte, was ich aber nicht glaube, würden wir uns sehr darüber freuen, es zurück zuerhalten.
In Vent angekommen, hätte es eigentlich für den Tag gereicht.Es war bereits 16.30 Uhr und die Martin-Busch -Hütte noch über 2 Stunden entfernt. Auf Nachfrage im großen Hotel an der Hauptstraße, (Namen hab ich leider vergessen,aber Vent besteht sowieso nur aus ein paar Häusern,keine Einkaufmöglichkeit),stellte sich zudem noch heraus, dass ein Rucksacktransport zur Hütte an diesem Tag nicht mehr möglich war. Also auch noch unser Bündel schleppen. Um es kurz zu machen: Dieser letzte Etappenabschnitt prägte sich sehr ein und mehr als einmal habe ich mich auf dieser Schotterpiste, die ins Endlose zu führen scheint, gefragt, warum sich ein Mensch so was antut. Der absoluten Entkräftung fiel schließlich auch unsere sorgsam gehütete Tafel Schoki zum Opfer. Unser größtes Problem und Hauptursache für irgendwelche verrückten Ideen, wie einfach an Ort und stelle hinliegen und schlafen, war wiederum der Mangel an Wasser.Unbedingt also nochmal die Flaschen in Vent vollmachen, auch wenn das gegen Ende des Tages nochmal zusätzlicher Ballast ist.
Irgendwie haben wir die Martin-Busch-Hütte dann doch erreicht.Da sich allerdings mittlerweile wohl herumgesprochen hatte, dass eine Wetteränderung im Anmarsch war, wollten so viele Tourengänger wie möglich noch möglichst weit nach Süden, um mit nur noch einer weiteren Tagesetappe nach Südtirol zu kommen.Die Hütte war somit rappelvoll und die Zustände chaotisch.Rucksäcke türmten sich im Flur und auch in der Wirtsstube war quasi Gruppenkuscheln angesagt. Wie durch ein Wunder konnte ich noch eine Duschmarke erheischen und im Keller, neben kampferprobten Mountain-Bikes den Schweiß des Tages los werden. Von der Terrasse aus ist es zudem möglich ,Kontakt mit der übrigen Welt aufzunehmen. Insgesamt muß ich allerdings sagen, ist die Martin-Busch-Hütte nicht gerade eine Zierde für die Sektion Berlin, die sie unterhält. Trotz Zufahrtsstraße scheint es wohl nicht möglich zu sein, dafür zu sorgen, dass die Fußböden und Betten nicht mehr knarzen und auch sonst das Gebäude zu modernisieren.Mein Urteil: Sehr schwach, im Vergleich zu dem, was andere Hütten mit ungünstigerer Lage bewerkstelligen.Außerdem sind auch die Preisvorstellungen teilweise etwas heftig und nicht ganz nachvollziehbar.Wo bitte kostet das Frühstück mehr als ein komplettes Abendessen?Also, wenn man nach dieser ziemlich langen Etappe wirklich ruhig schlafen will und das Wetter es zuläßt, dann lieber in Vent ein Privatquartier suchen(ist teilweise sogar günstiger als die Hütte) und lieber noch nen Tag dranhängen und nochmal auf der Similaunhütte übernachten.
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30. Januar 2008
4.Tag: 5.August 2007: Galflunhütte - Braunschweiger Hütte
"Komm, ja, komm !" Ich stand quasi fast senkrecht im Bett.Mit wem hatte es der Papi denn? Im Zwielicht des frühen Sonntagmorgens war so gut wie nichts zuerkennen, außer dass er vor dem Bett Stand und auf irgedwas oder irgendwen einredete.Dann ein kräftiges Hupf und ein Miau.Der Almkater der Galflunhütte hatte sich anscheinend, von uns völlig unbemerkt, bei uns einquartiert. Also unbedingt Türen und Fenster schließen, bevor man aus dem Zimmer geht, sonst kommt es zu solch witzigen Begebenheiten.Immerhin hatte ich auf diese Weise das Bett etwas früher verlassen als geplant und kam in den Genuss, das Wechselspiel zwischen Sonne und Nebel über dem unter uns liegenden Pitztal beobachten und in aller Ruhe fotografieren zu können. Die meiner Meinung nach schönsten Bilder der Tour. Wie nach dem leckeren Abendessen am Vortag nicht anders zu erwarten, war auch das Frühstück einsame Spitze. Kostenlos dazu bekamen wir noch einige Tipps, wie wir den Weg hinunter nach Wenns etwas verkürzen können. Dann mußten wir aber los, denn der Bus zum Aufstieg zur Braunschweiger Hütte bei Mittelberg fährt sonntags in Wenns um 11.15 Uhr ab. Der nächste geht dann erst sehr viel später, also mußten wir uns etwas ran halten, da etwa 2 Stunden Abstieg noch zu bewältigen waren. Zu meinem Leidwesen waren wir zu 95 % auf einem von Autos und Mountain Bikern ziemlich frequentierten Forstweg unterwegs, der nach eineinhalb Stunden in eine Asphaltstraße überging.In Turnschuhen war aber auch das machbar und so standen wir zehn Minuten vor der Abfahrtszeit an der Bushaltestelle in Wenns. Um uns herum viel bekannte Gesichter. Papi nutzte die verbleibende Zeit für ein kleines Sonnenbad. Ich konnt mir nicht verkneifen, dieses sehr entspannte Bild von ihm für die Nachwelt zu konservieren.Der fast pünktliche Linienbus brachte uns dann zu einem sehr guten Preis nach Mittelberg am Talschluß des Pitztales auf 1736m. Nach einer guten Stunde Fahrt waren wir fortan wieder auf unsere Füße gestellt. Doch halb so schlimm, denn nach etwa 30 Minuten erreichen wir die Talstation der Materialseilbahn zur Braunschweiger Hütte, wo wir nach kurzer Mittagspause den Großteil unseres Gepäcks abgeben und auf die Reise ans Etappenziel schicken konnten. Im Normalfall kostet dieser Service 4€ pro Rucksack, wir hatten allerdings das Glück, daß zur gleichen Zeit eine Klettergruppe ihr Material verlud und so unsere Sachen kostenlos mitkamen.Nur mit dem Nötigsten ausgerüstet, gingen wir den Aufstieg von etwa 1000 Hm zur Hütte an. Zunächst führt der Weg ziemlich eben auf den riesigen Wasserfall zu, der von den Fernern herunterdonnert. Bereits in einer Distanz von mehreren hundert Metern spürt man die Gischt im Gesicht.Pech für alle Brillenträger!Dann steigt der Weg plötzlich stark an und auf den teilweise etwas glitschigen Steinen muß man ab und zu schon mal sowohl Füße wie auch Hände benutzen. Zu unserer Freude befanden sich unter den ebenfalls aufsteigenden Bergwanderern einige Schwaben aus unserer Heimatregion.So kam einem der teilweis recht steil Aufstieg nur noch halb so schlimm vor. Nach etwas mehr als einer Stunde kam die erste Gletscherzunge in Sicht.Wieder so ein ganz besonderer Moment, der allerdings dadurch überschattet wurde, daß zeitgleich zusehen war, welche Ausmaße die Erschließung neuer Skigebiete annimmt:Statt auf dem bislang schmalen Bergpfad, standen wir plötzlich auf einem breiten Schotterweg, der Grundlage für eine neue Talabfahrt ist.Nicht weit entfernt war ein Fuhrpark von riesigen Baumaschinen abgestellt und weiter oben im Hang nagte ein riesiger Bagger Kubikmeter um Kubikmeter unberührte Natur ab.Wir fahren auch Ski, aber da fragten wir uns schon , ob das wirklich notwendig ist. Durch die Steinwüste ging es beständig steil weiter. Kein Baum , kein Strauch.Nichts. Nach ca. 3 Stunden und zahlreichen Stopps, um die Gletscherwelt ringsum zu betrachten, kam endlich die Braunschweiger Hütte in Sicht.Ein sehr imposantes Gebäude aus der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende, auf Felsen gelegen und von den Gletschern des Skigebietes Sölden eingerahmt. Nach weiteren 45 Minuten hatten wir dann auch diese Etappe geschafft und hielten auch unsere Rucksäcke wieder in den Hände.Auch hier: Wieder alles glatt gegangen. Mit dem Quartier hatten wir erneut Glück.Wir ergatterten wieder ein 4-Mann-Zimmer zu zweit mit herrlichem Blick auf die Gletscher. Ein leckerer Fleischkäs mit Kartoffeln und Salat auf der Terrasse rundete diesen etwas gemütlicheren Tourentag ab, nachdem ich mich über einige Tussis im Waschraum etwas aufgeregt hatte und bei der Vergabe der Zimmer auch leicht ins Fettnäpfchen getreten war.Tja, man sollte halt nicht einfach einen Schlüssel nehmen.Papa renkte das aber wieder einigermaßen ein, nur der Hüttenwirt schaute mich die ganze Zeit etwas komisch an. Hhhhmmm, naja. Beim Gespräch in der Wirtsstube stellte sich heraus, daß wir unsere Route für den nächsten Tag etwas abändern mußten, da das Pitztaler Jöchl wegen Steinschlaggefahr gesperrt war.Da wir nicht genau wußten wie und was ließen wir das aber einfach mal auf uns zu kommen und kuschelten uns für unsere Verhältnisse schon etwas später in die leicht durchgelegenen Betten. Wichtig in der Braunschweiger Hütte: Den Überblick bewahren und sich den Weg zum Zimmer und zur Toilette gut einprägen.Die Hütte ist nämlich ziemlich groß und sehr verwinkelt gebaut.
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